Für dein Unternehmen kennst du Umsatz, Kosten, Investitionen und Liquidität. Aber weißt du auch, wie viel Geld du persönlich in zehn, 20 oder 30 Jahren zur Verfügung haben möchtest?
Diese Frage stelle ich Unternehmerinnen und Unternehmern immer wieder. Und erstaunlich oft wird es genau an diesem Punkt still.
Denn wir Unternehmer sind ziemlich gut darin, für unser Unternehmen zu planen.
Wir erstellen Budgets. Wir überlegen, wann wir die nächste Mitarbeiterin einstellen können. Wir planen Investitionen, beschäftigen uns mit Liquidität, Finanzierung und Wachstum. Wir wissen, was ein neues Auto, eine Maschine oder ein zusätzlicher Arbeitsplatz kostet.
Aber wenn ich frage:
„Und wie sieht eigentlich dein persönlicher Finanzplan aus?“
wird die Antwort oft deutlich unkonkreter.
Dabei gibt es für mich einen Grundsatz, den ich in meiner Arbeit als Steuerberaterin und Finanzexpertin immer wieder sehe:
Ein finanziell gesundes Unternehmen allein garantiert noch keine finanziell abgesicherte Unternehmerin oder einen finanziell abgesicherten Unternehmer.
Genau deshalb gehört für mich zur Budgetplanung 2027 nicht nur die Frage, was dein Unternehmen im kommenden Jahr erreichen soll.
Wir müssen auch darüber sprechen, was dein Unternehmen für dich erreichen soll.
1. Dein Geschäftsführerbezug ist mehr als eine monatliche Überweisung
Beim Geschäftsführerbezug erlebe ich häufig, dass einmal festgelegte Beträge einfach über Jahre weiterlaufen.
Aber passt dieser Bezug überhaupt noch?
Vielleicht ist das Unternehmen inzwischen deutlich gewachsen. Vielleicht hast du mehr Verantwortung übernommen. Vielleicht hat sich deine private Situation verändert. Oder vielleicht ist dein Bezug mittlerweile so hoch, dass wir uns aus steuerlicher und wirtschaftlicher Sicht andere Gestaltungsmöglichkeiten ansehen sollten.
Deshalb gehört der Geschäftsführerbezug für mich zumindest einmal jährlich auf den Prüfstand.
Wie viel Geld benötigst du tatsächlich privat? Welche Steuer- und Sozialversicherungsbelastung entsteht? Welche Liquidität braucht gleichzeitig das Unternehmen? Welche Rücklagen sollen dort verbleiben? Und wie viel möchtest du privat sparen und investieren?
Das Entscheidende ist für mich dabei:
Wir dürfen nicht nur fragen, was du dir aus deinem Unternehmen herausnehmen kannst. Wir sollten fragen, was du mit diesem Geld langfristig erreichen möchtest.
Denn genau hier beginnt persönliche Finanzplanung.
2. Weißt du, wie hoch deine Pension einmal sein wird?
Wir planen unsere Unternehmen teilweise auf drei, fünf oder zehn Jahre.
Bei der eigenen Pension verlassen sich dagegen viele auf ein diffuses „Das wird schon irgendwie passen“.
Das ist mir persönlich zu wenig.
Deshalb würde ich jeder Unternehmerin und jedem Unternehmer empfehlen, sich einmal ganz konkret mit zwei Zahlen auseinanderzusetzen:
Was bekomme ich voraussichtlich aus der gesetzlichen Pension?
Und:
Wie viel Geld möchte ich im Ruhestand tatsächlich monatlich zur Verfügung haben?
Dazwischen kann eine erhebliche Lücke liegen.
Und diese Pensionslücke verschwindet nicht dadurch, dass wir sie ignorieren.
Im Gegenteil: Je früher du sie kennst, desto mehr Zeit hast du auf deiner Seite. Und Zeit ist beim langfristigen Vermögensaufbau einer der wichtigsten Faktoren überhaupt.
Deshalb bin ich ein großer Fan davon, nicht erst mit 55 über die Pension nachzudenken.
Vorsorge beginnt nicht kurz vor der Pension. Vorsorge beginnt in den Jahren, in denen du gut verdienst und Gestaltungsspielraum hast.
3. Vorsorge ist kein Restposten
„Wenn am Jahresende etwas übrig bleibt, investiere ich.“
Auch diesen Satz höre ich oft.
Das Problem daran: Häufig bleibt eben nichts „zufällig“ übrig.
Wir investieren ins Unternehmen. Es kommt eine unerwartete Ausgabe. Wir gönnen uns privat etwas. Die Steuerzahlung fällt höher aus. Und plötzlich ist wieder ein Jahr vergangen.
Deshalb gehört Vermögensaufbau für mich geplant.
Genauso wie eine Leasingrate, ein Mitarbeitergehalt oder eine Investition sollte auch die eigene finanzielle Zukunft einen fixen Platz im Budget bekommen.
Wie viel möchtest du monatlich oder jährlich für deine Zukunft zurücklegen?
Welche Liquiditätsreserve möchtest du privat aufbauen?
Wie viel Kapital möchtest du langfristig investieren?
Welche Vorsorgelösungen passen zu dir?
Und vor allem: Welche Summe kannst du langfristig durchhalten, ohne dich oder dein Unternehmen finanziell unter Druck zu setzen?
Denn die beste Vorsorgestrategie ist nicht jene, die auf dem Papier die höchsten Zahlen verspricht.
Es ist jene, die zu deinem Leben, deinem Unternehmen, deinem Risikoprofil und deinen langfristigen Zielen passt.
4. Unternehmervermögen ist nicht automatisch Privatvermögen
Dieser Punkt ist mir besonders wichtig.
Viele Unternehmerinnen und Unternehmer haben einen erheblichen Teil ihres Vermögens im eigenen Unternehmen gebunden.
Das kann absolut sinnvoll sein. Aber wir sollten uns bewusst machen:
Dein Unternehmen ist ein Teil deiner Vermögensstrategie – es sollte nicht zwingend deine gesamte Vermögensstrategie sein.
Was passiert, wenn du das Unternehmen irgendwann verkaufen möchtest?
Was ist es tatsächlich wert?
Wie abhängig ist dieser Wert von deiner persönlichen Arbeitsleistung?
Und welches Vermögen hast du außerhalb deines Unternehmens aufgebaut?
Für mich gehört deshalb zu einer guten Finanzplanung auch die Frage nach Diversifikation, privatem Vermögensaufbau und finanzieller Unabhängigkeit vom eigenen Unternehmen.
Denn Unternehmertum sollte langfristig nicht nur Unternehmenswert schaffen.
Es sollte auch persönlichen Vermögenswert schaffen.
Mein Finanz-Check für Unternehmerinnen und Unternehmer
Wenn du jetzt dein Budget für 2027 planst, nimm dir nicht nur die BWA, Saldenliste oder Unternehmensplanung zur Hand.
Nimm auch dich selbst in die Planung auf.
Stell dir fünf Fragen
1. Wie viel Geld möchte ich 2027 privat zur Verfügung haben?
2. Ist mein Geschäftsführerbezug dafür sinnvoll und steuerlich passend gestaltet?
3. Weiß ich, mit welcher gesetzlichen Pension ich derzeit ungefähr rechnen kann und wie groß meine persönliche Pensionslücke ist?
4. Wie viel möchte ich 2027 für Rücklagen, Vorsorge und langfristigen Vermögensaufbau investieren?
5. Wie viel meines Vermögens steckt im Unternehmen – und wie viel baue ich unabhängig davon auf?
Wenn du diese Fragen heute noch nicht beantworten kannst, ist das kein Grund zur Panik.
Aber es ist ein guter Grund, damit anzufangen.
Denn ich bin überzeugt:
Wir sollten unsere persönliche finanzielle Zukunft mit mindestens derselben Sorgfalt planen wie die Zukunft unseres Unternehmens.
Bei 360 Business Planner schauen wir deshalb nicht nur auf Umsatz, Kosten, Steuern und Liquidität. Wir betrachten auch die Menschen hinter dem Unternehmen und die Frage, wie Unternehmensentwicklung, Geschäftsführerbezug und langfristige finanzielle Planung sinnvoll zusammenspielen können.
Und genau dafür ist die Budgetbesprechung für 2027 der perfekte Zeitpunkt.
Plane nicht nur, wo dein Unternehmen Ende 2027 stehen soll. Plane auch, wo du selbst finanziell stehen möchtest.
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Fachlicher Hinweis
Die steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Behandlung von Geschäftsführerbezügen hängt insbesondere von Beteiligungshöhe, Vertragsgestaltung und konkreter Tätigkeit ab. Bei betrieblichen Pensionszusagen und Pensionsrückstellungen sind die jeweiligen gesetzlichen Voraussetzungen, insbesondere § 14 EStG, im Einzelfall zu prüfen. Auch bei der privaten Vorsorge und beim Vermögensaufbau sollten steuerliche Gestaltung und Anlageentscheidung getrennt betrachtet und auf die persönliche Situation abgestimmt werden.
Dieses Video dient zur Weiterbildung und nicht zur steuerlichen Beratung. 360°Tax TV ersetzt kein persönliches Beratungsgespräch und keine rechtlich verbindliche Auskunft.
Freundliche Grüße,
Mag. Christiane Holzinger und das gesamte 360°Business Planner Team